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Bezirksoberliga 4.Spieltag - SK Verden – SG Allertal - eine Tragikomödie an 8 Brettern

Bei unserm Eintreffen in Verden war der Spielsaal im „Grünen Jäger“ aufgeräumt und leer. Vielleicht sollte uns dieser erste Eindruck schon mitteilen: „Hier ist nicht viel zu holen.“ Vielleicht lag es aber auch nur daran, dass wir eine halbe Stunde zu früh am Spielort waren, da wir uns bereits mit der Anreisezeit verrechneten. Immerhin fing es ganz viel versprechend an:

Bernd Hollstein, an Brett 3 spielend, ist ein sehr abergläubischer Mensch. Wenn er vor Spielbeginn nicht mindestens 2 Schätze im Geocaching einsammelt, bedeutet das: Mit einem vollen Punkt ist nicht zu rechnen. An diesem Tag war es leider so: Er hatte nur einen „Schatz“ heben können, und so kündigte Bernd denn auch vor Spielbeginn bereits an, dass er heute nur einen halben Punkt beisteuern könne. So kam es dann auch. Es soll allerdings nicht unerwähnt bleiben, dass Bernds Gegner fast 200 DWZ-Punkte mehr aufzuweisen hat, so dass diese Punkteteilung als Erfolg angesehen werden darf. (0,5:0,5)

In Remis-Angelegenheiten gibt es noch einen weiteren Schachverständigen in den Reihen des MTV. Dieser setzt allerdings weniger auf Geocaching–Orakelei sondern eher auf Hartnäckigkeit in der Eröffnungswahl. Jörg Winter an Brett 4 versteht es nicht nur, seine „Fort Knox“ gesicherten Stellungen für den Gegner uneinnehmbar zu machen, sondern ihn mit einem Remisangebot zum richtigen Zeitpunkt von den Qualen seiner sinnlosen Bemühungen zu erlösen. Manchmal hat er es allerdings mit einem Gegner zu tun, der 150 Wertungspunkte mehr auf der Leistungsskala hat und deshalb lieber weiterspielen möchte. Für solch schwerwiegende Fälle hat Jörg eine recht einfache Technik entwickelt: zweimal Remis anbieten! (1:1).

Es ließ sich also alles ganz gut an. Doch irgendetwas stimmte nicht. Richtig, in der Mitte unserer Formation gab es eine kleine Veränderung. Dort wo Berthold Mitzko für gewöhnlich mit seiner Teekanne Platz zu nehmen pflegt, klaffte eine (virtuelle) Lücke. Ob dies für den weiteren Verlauf des Spielgeschehens verantwortlich zeichnet, ist ungewiss, auf jeden Fall wäre es eine einfache Erklärung für den Rest der Geschichte, der schnell erzählt ist.

Als erstes kam Ersatzmann Gerhard Rufert an Brett 8 unter die Räder: „Mein Gegner sammelte kleine Vorteile, die er zu großen ausbaute..“ Das klingt nach einem starken Gegner – was durch ein Blick auf die DWZ Liste bestätigt wird. Mit einer DWZ von 1943 war Verden an Brett 8 absolut „overdressed“ und die Niederlage von Gerhard nicht wirklich eine Enttäuschung. (1:2)

Anders die Ausgangslage an Brett 5 - Bernd Bielstein hatte es mit einem Gegner in Reichweite zu tun - was keinerlei Bedeutung hat, wenn man nicht fähig ist, „Elfmeter“ zu versenken: Gleich reihenweise gingen Bernds Bälle am Torpfosten vorbei – sprich: wurden Gewinnchancen ausgelassen, so dass seinem Gegner schließlich fast nichts anderes übrig blieb, als zu gewinnen). (1:3)

Zur Zeitkontrolle war der Wettkampf dann auch schon entschieden, denn die Falk- Brüder kollabierten fast gleichzeitig. Während Kristoffer an Brett 2 seine Bedenkzeit dafür verbrauchte, um all die Probleme zu bewältigen, die sein 2000 'er Gegner ihm verschaffte (1:4), brachte sich Tobias an Brett 1 nach nur 9 Zügen praktisch selbst in Zeitnot. Nach mehr als merkwürdiger Eröffnung hatte er nämlich die schwerwiegende (und zeitraubende) Frage zu klären ob er gleich aufgeben oder noch weiterspielen sollte… Zwar konnte er dann in der Mitte der Partie sein positionelles Wrack zwar noch einmal flott machen, doch mit einer Bedenkzeit von 5 Minuten für 15 Züge wurde er im Endspiel dann endgültig aus dem Verkehr gezogen. (1:5)

Damit hatte Verden bereits 5 Punkte, und es ging nur noch ums Torverhältnis. Dr. Jahns setzte sich heute an seinen Arbeitsplatz an Brett 6 mit einer blütenreinen Weste (bisher 3 Siege bei 3 Einsätzen). Natürlich nur bildlich gesprochen, denn in Wirklichkeit trug er wie stets seinen legendären farbigen Schachpullover, der allerdings heute zweimal im Spielsaal zu bewundern war. Vielleicht muss sich das Glück bei zwei Pullovern ja teilen (wie der andere Pullover gespielt hat, ist nicht bekannt). Vielleicht war Reiner aber auch nur irritiert...jedenfalls war seine Partie bald nach der Eröffnung ein Trümmerhaufen und er spielte mit einer Figur weniger. Aber Aufgeben kam nicht in Frage, und nachdem sein Gegner alle Gewinnmöglichkeiten der Welt elegant umschifft hatte, gelangte die Partie im Endspiel schließlich an eine Stelle, an der es für seinen Gegner nur noch einen Gewinnzug gab (der allerdings nicht so schwer zu finden war). Doch auch dieser Elfmeter wurde verschossen, und die Partie endete Remis (1,5:5,5).

An Brett 7 spielte noch einer: André Liebich. Er kam als Weißer eigentlich ganz gut aus den Startlöchern, bis sein Gegner auf die Idee kam, ihn im Mittelspiel mit einem Angriff auf seine Königsstellung völlig zu verwirren. Anders kann man es wohl kaum nennen, denn zwischenzeitlich kam es zu einer Stellung, bei der André den Sieg nur noch hätte einfahren müssen. Aber das hatten wir ja an diesem Tag des Öfteren. Schließlich ging auch diese Partie im Turmendspiel verloren.

Am Ende stand es 6,5:1,5 für Verden, und Winsen (am letzten Spieltag noch punktgleich mit dem Tabellenführer) ist in der Wirklichkeit angekommen: Abstiegskampf!

Nächstes Jahr geht es weiter. Dann vielleicht mit neuem Glück.
BB